Ein kurzer, oberflächlicher Vergleich soll die technischen Unterschiede zwischen verschiedenen Anon-Diensten zeigen und Hilfe bei der Entscheidung bieten.

Tor Onion Router

Tor nutzt ein weltweit verteiltes Netz von 2400 Nodes. Aus diesem Pool werden jeweils 3 Nodes für eine Route ausgewählt. Diese Route wechselt häufig. Die zwiebelartige Verschlüsselung sichert die Anonymität der Kommunikation. Selbst wenn zwei Nodes einer Route kompromittiert wurden, ist eine Beobachtung durch Dritte nicht möglich.
Prinzip des Onion-Router
Da die Route ständig wechselt, müsste ein großer Teil des Netztes kompromittiert worden sein, um einen Zusammenhang von Surfer und angefragter Webseite herstellen zu können. Die weltweite Verteilung der Nodes und der hohe Anteil privater Rechner mit langsamer Internetanbindung kann zu deutlich langsameren Downloads führen.

Tor ist neben Surfen auch für IRC, Instant-Messaging, den Abruf von Mailboxen oder Anderes nutzbar. Dabei versteckt TOR nur die IP-Adresse. Für die sichere Übertragung der Daten ist SSL- oder TLS-Verschlüsselung zu nutzen. Sonst besteht die Möglichkeit, dass sogenannte "Bad Exit Nodes" die Daten belauschen und an Userkennungen und Passwörter gelangen.

Der Inhalt der Kommunikation wird 1:1 übergeben. Für anonymes Surfen bedarf es weiterer Maßnahmen, um die Identifizierung anhand von Cookies, HTTP-Header usw. zu verhindern. Mozilla Firefox wird mit TorButton oder JonDoFox optimal konfiguriert.

Verschiedene Sicherheitsforscher demonstrierten, dass es mit schnüffelnden Bad Exit Nodes relativ einfach möglich ist, Daten der Nutzer zu sammeln. Man kann davon auszugehen, dass die Geheimdienste verschiedener Länder ebenfalls im Tor-Netz aktiv sind und sollte die Hinweise zur Sicherheit beachten: sensible Daten nur über SSL-verschlüsselte Verbindungen übertragen, SSL-Warnungen nicht einfach wegklicken, Cookies und Javascript deaktivieren… Dann ist Tor für anonyme Kommunikation geeignet.

Tor bietet nicht nur anonymen Zugriff auf verschiedene Services im Web. Die Tor Hidden Services bieten Möglichkeiten, anonym und zensurresistent zu publizieren.

JonDonym

JonDonym arbeitet mit wenigen festen Mix-Kaskaden, bestehend aus zwei oder drei Knoten. Diese Knoten sind leistungsfähige Computer mit schneller Internetanbindung. Die Daten der einzelnen Nutzer werden mehrfach verschlüsselt, weitergeleitet und gemixt. Informationen über verfügbare Kaskaden werden von Infoservices bereitgestellt, die Abrechnung der Premium-Accounts erfolgt über die Bezahlinstanz der JonDos GmbH.
Prinzip von JAP
Der Dienst bietet derzeit kostenfrei nutzbare Mix-Kaskaden und Premium-Kaskaden, die nur gegen Bezahlung nutzbar sind. Die kostenfreien Mix-Kaskaden bieten nur eine geringe Geschwindigkeit von 30-50 kB/s und sind nur für anonymes Surfen nutzbar. Erst mit den Premium-Kaskaden entfaltet der Dienst seine volle Leistung. Diese Kaskaden bieten hohe Geschwindigkeit und sind für alle Protokolle nutzbar (Instant-Messaging, SSH, E-Mail…).

Anonymes Surfen erfordert mehr, als nur die IP-Adresse zu verstecken. Der JonDoFox ist ein Profil für Firefox, dass optimal für diese Aufgabe vorbereitet ist (auch für Tor geeignet).

Strafverfolgung: Einzelne Verbindungen können bei JonDonym gezielt überwacht werden, wenn alle Betreiber einer Mix-Kaskade einen richterlichen Beschluss in ihrem Land erhalten. Für Mix-Betreiber aus Deutschland ist eine Gerichtsbeschluss nach §100a StPO nötig. Im Gegensatz zu Tor und I2P ist damit eine Verfolgung schwerer Verbrechen prinzipiell möglich.

Die internationale Verteilung der Kaskaden verhindert eine pauschale Überwachung. Inzwischen sind alle kostenfreien und Premium-Kaskaden internationalisiert. Nach Aussage von JonDos gab es bisher noch nie eine internationale Zusammenarbeit der Behörden bei einer Über­wachung und damit auch keine Überwachung der Premium-Kaskaden. Politische Aktivisten können das Risiko weiter minimieren, indem sie Kaskaden ohne deutsche Mixe nutzen.

Schnüffelnde Mix-Server wurden bisher nicht bekannt.
Lizenz: Public Domain