Viele Dienste im Web nutzen die Möglichkeiten, das Surfverhalten zu verfolgen, zu analysieren und die gesammelten Daten zu versilbern. Die dabei entstehenden Nutzerprofile sind inzwischen sehr aussagekräftig. Wie das Wall Street Journal in einer Analyse beschreibt, können das Einkommen, Alter, politische Orientierung, die Wahrscheinlichkeit einer Kreditrückzahlung und weitere Daten der Surfer eingeschätzt werden. Ein Online-Versand von Brautkleidern möchte bspw. gezielt Frauen im Alter von 24-30 Jahren ansprechen, die verlobt sind. Das ist möglich.

Es geht aber längst nicht nur um die Einblendung von Werbung. Sarah Downey warnt vor wachsenden realen Schäden durch das Online-Tracking. Die gesammelten Informationen können den Abschluss von Versicherungen oder Arbeitsverträgen beeinflussen, sie können zur Preisdiskriminierung genutzt werden usw.

Techniken zum Tracking des Surfverhaltens

Das Surfverhalten liefert die meisten Informationen über unsere Vorlieben. Dabei werden folgende Techniken eingesetzt: Die Tracking-Elemente können in die Webseiten eingebettet werden (First-Party Content). Sie können von externen Servern nachgeladen werden (Third-Party Content). Außerdem werden sie durch Einblendungen von Werbebanner transportiert oder durch die Like-Buttons der Social Networks.

Für die Auswertung werden nicht nur die Informationen zur besuchten Webseite genutzt. Besonders aussagekräftig sind die Klicks auf Werbung. S. Guha von Microsoft und B. Cheng sowie P. Francis vom Max-Planck-Institut für Software Systeme habe ein Paper veröffentlicht, wie man homosexuelle Männer anhand der Klicks auf Werbung erkennen kann. Das Verfahren kann für verschiedene Fragestellungen angepasst werden. Die Klicks auf Facebook Like Buttons können in der gleichen Weise ausgewertet werden. Forscher der Universität Cambridge (Großbritannien) konnten bei einer Untersuchung die sexuelle Orientierung und politische Einstellung der Nutzer anhand der Klicks auf Like Buttons vorhersagen. Damit verrät man möglicherweise mehr private Informationen, als man eigentlich veröffentlichen möchte.

Tracking von E-Mails und Newslettern

Die Markierung von E-Mail Newslettern ist weit verbreitet. Es geht dabei darum, das Öffnen der E-Mails zu beobachten und die Klicks auf Links in den Newslettern zu verfolgen.

Tracking von Dokumenten (z.B. Word, PDF)

Die Firma ReadNotify bietet einen Service, der Word-Dokumente und PDF-Dateien mit speziellen unsichtbaren Elementen versieht. Diese werden beim Öffnen des Dokumentes vom Server der Firma nachgeladen und erlauben somit eine Kontrolle, wer wann welches Dokument öffnet. Via Geo-Location ermittelt ReadNotify auch den ungefähren Standort des Lesers.
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